Mobi Video Hamburg 2.6

Antifa-Rede am 1. Mai

Wir dokumentieren nachfolgend eine der antifaschistischen Reden auf der 1. Mai Kundgebung in Soltau.‘
Alle weiteren Reden sind hier zu finden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten

Der 1. Mai sieht sich jedes Jahr auch leider mit der reaktionären und faschistischen Auslegung der Arbeiter_Innentradition konfrontiert. Immer wieder versuchen die alten und neuen Nazis der Republik sich als antikapitalistisch und sozialrevolutionär aufzuspielen. Dabei geht ihre Pseudokapitalismuskritik aber nicht über die Forderungen nach mehr Nationalismus, Sozialchauvinismus und Rassismus hinaus.
Bürgerliche Gesellschaftsschichten sehen Naziaufmärsche allerdings nicht als Gefahr an – stattdessen diskreditieren und kriminalisieren sie immer wieder engagierte Antifaschist_Innen, welche sich bemühen, in der Gesellschaft einen Diskurs über Opfermythen, Extremismusdoktrin und Alltagsrassismus anzustoßen.
Als populärstes Beispiel für diese Antifaarbeit dient Dresden: Das spektrenübergreifende Bündnis „Dresden Nazifrei“, bestehend aus Antifagruppen, Gewerkschaften, Parteien und sonstigen Initiativen, schaffte es durch bundesweite Mobilisierung Europas größten Naziaufmarsch drei Mal in Folge zu stoppen und somit wohl aus dem Terminkalender der Nazis zu streichen. Die Proteste sahen sich mit massiver staatlicher Repression konfrontiert. Die Maßnahmen waren derart absurd und antidemokratisch, dass sich dafür mittlerweile der Begriff „Sächsische Verhältnisse“ etabliert hat.
Doch der Begriff meint noch mehr. Er steht sinnbildlich für eine Ideologie, die schon seit geraumer Zeit von den herrschenden Politiker_Innen propagiert wird und durch den alltäglichen Umgang mit Medien, mit Lehrplänen in der Schule und in den öffentlichen Debatten immer tiefer ins Bewusstsein der Menschen getragen wird. Diese Ideologie, im Allgemeinen als „Extremismustheorie“ bekannt, spaltet die Gesellschaft in zwei Teile: Die gute, demokratische Mitte und die bösen, extremistischen Ränder, also eben Linke und Rechte gleichsam. Ganz abgesehen davon, dass es keine stichhaltigen Ansätze gibt, inwiefern die Mitte definiert werden könnte, arbeitet der Staat mit dieser Theorie daran, den Kampf gegen Nazis und Kapitalismus gleichsam zu kriminalisieren und mit der menschenverachtenden Propaganda der Faschist_innen gleichzusetzen. Auch wenn dieses Denkmuster in allen Parteien zu finden ist, wird die Extremismusdoktrin derzeit besonders offensiv von der Familienministerin Kristina Schröder von der CDU vertreten. Ginge es nach ihr, erhielten beispielsweise nur noch Vereine und Verbände Geld, die sich offen zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und vergewissern, in ihrer Arbeit nicht mit Extremist_Innen jeglicher Couleur zusammenzuarbeiten. Für die Dekonstruktion dieses Dogmas ist besonders wichtig, dass ein Gericht nun diese Maßnahme der Ministerin kassierte: Es könne nicht sein, dass eben nur solche Vereine Fördermittel bekämen, die diese Untreschrift leisteten. Damit wurde Schröders Aushängeschild innerhalb weniger Monate demontiert. Antifaschistische Arbeit muss genau hier ansetzen und weiterhin die Gleichsetzung linker und emanzipativer Ideen mit reaktionärer und autoritärer Ideologie angreifen!
Doch wie tief dieses Gedankenkonstrukt eigentlich in der Gesellschaft verankert ist, zeigt sich erst bei genauerem Hinsehen. In Gesprächen, in Artikeln in der Zeitung, in Medienberichten, in politischen Statements und und und. Überall ist die Rede von „Rechtsextremismus“ und dann logischerweise auch von einem vermeintlichen Linksextremismus.
Die Verstrickungen der vermeintlichen Demokrat_Innen mit den mordenden Nazis gipfelte in der Aufdeckung der Mordserie des NSU. Etablierte Medien und Politiker_innen und natürlich auch die toleranten Bürger_innen taten ganz entsetzt in Anbetracht des „neuen“ Rechtsterrorismus. Alle versprachen sie sofortige Besserung – sogar die FAZ forderte die Auflösung des Verfassungsschutzes – und proklamierten in blindem Aktionismus ein baldiges Verbotsverfahren gegen die NPD. Die Bevölkerung war beruhigt und nun ließ es sich ganz einfach zum Alltag übergehen.
Die wichtige Debatte um die Rolle des Verfassungsschutzes, Rassismus und alltäglichen rechten Terror wurde zu kurz und zu oberflächlich geführt. Die führenden Politiker_Innen konnten sich gar nicht sehen lassen, ohne ihr Mitgefühl auszudrücken und das Licht der Öffentlichkeit nicht auf die Vergangenheit fallen zu lassen. Damit wurde die große Chance versäumt, die Kooperation mit den Nazitäter_Innen und die Arbeitsweise des Verfassungsschutzes aufzuarbeiten. Anstatt sich nun ernsthaft auf den Kampf gegen Nazis und den Schutz der Demokratie zu verpflichten, waren Politiker_Innen und Meinungsmacher_Innen bemüht, schnell die Wogen zu glätten und weiterzuarbeiten wie bisher. Schliesslich sind die wahren Bösen ja auch weiterhin die „Linksextremist_innen“.
In „unserem“ modernen demokratischen Land läuft einiges schief. Es ließe sich noch viel über Alltagsrassismus und Festung Europa, über Militarismus und über eine widerliche, neoliberale Krisenpolitik der regierenden Parteien sagen, aber dafür reicht die Zeit natürlich nicht. Es muss Aufgabe gewerkschaftlicher, linker und emanzipatorischer Kräfte sein, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen“ ist.

Wenn der Staatsschutz anklopft..

Herr Schröder vom Staatsschutz der Polizeiinspektion des Heidekreises versucht wieder einmal Informationen über regionale linke Strukturen zu erhalten. Ein langjähriger Aktivist der Linksjugend [’solid] Soltau erhielt vor wenigen Tagen Post. Man wolle ihn als Zeugen zum Farbanschlag auf das Panzermuseum in Munster (Info) vernehmen. Dabei steht zu vermuten, dass es vordergründig nicht um den Tatvorwurf, sondern vielmehr um bestehende linke und linksradikale Strukturen in und um Soltau gehen wird.
Falls noch weitere Aktivist_Innen Post erhalten haben sollten: Keine Reaktion! Erscheint nicht zu dem Termin! Ihr seid dazu erst vor Staatsanwalt und Gericht verpflichtet!
Dem Polizeiapparaten werden keine Infos in die Hände gespielt! Macht die Anquatschversuche öffentlich!
Unsere Solidarität gegen ihre Repression!

Revolutionärer 1. Mai!

Auch dieses Jahr kommt es wieder zum internationalen Arbeiter_innenkampftag. Wir, als linke Jugendorganisation, wollen uns erneut in die Tradition dieses Tages einreihen.
Deshalb werden wir auf der 1. Mai Kundgebung im Hagen in Soltau einen Infostand mit Flyern, Aufklebern und Plakaten, Kuchen und Kickertischen aufbauen. Interessierte sind also herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen:)
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit mit einigen Aktiven nach Hamburg zur 1. Mai Demonstration zu fahren. Bei Interesse einfach eine Mail schicken!
Wir sehen uns auf der Straße!

Rückblick Ludendorffer

Angesichts dieses netten Indy-Artikels verzichten wir auf einen eigenen Kommentar zu den Protesten – es dürfte alles gesagt sein:)
Zum Artikel..

Freitag

Letzte Infos für Freitag:
Die Demo vom BHF Dorfmark ist angemeldet und startet um 13 Uhr.
Es wird eine gemeinsame Anreise per Bahn aus Soltau geben. Dafür treffen sich alle Genoss_Innen, Interessierte und Antifaschist_Innen um 12:40 Uhr am Bahnhof in Soltau.
Auf die Strasze gegen Rassisten und Antisemiten!

„Keine Räume für Rassisten, Ludendorffer auflösen!“

Seit etwa 35 Jahren tagt der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorffer) e.V.“ in Dorfmark (Bad Fallingbostel) über Ostern. Mit Volkstanz und Vorträgen wird Kindern bis SeniorInnen Rassismus gelehrt. Bekannte Nazis sind immer wieder dabei. Mathilde Ludendorff, selbsternannte Philosophin und Frau des Hitler-Putsch- Gefährten von 1923, General Erich Ludendorff, teilt in ihrer Lehre die Menschen in „Licht- und Schacht rassen“. Die nordischen „Lichtrassen“ seien dem Göttlichen nahe, die „Schachtrassen“ aber unvollkommen und sündhaft. Die einen seien von Natur aus zum Herrschen,die anderen zum Dienen geschaffen. „Blutsmischung“ führe zum „Volkstod“. Deutsche Kinder würden durch eine „verjudete christliche Erziehung“ geschädigt.

Die einen tagen, die anderen morden

Bei der NPD wird unter dem Schlagwort „Volk“ die Sichtweise von Ludendorff aufgegriffen. Aus dieser rassistischen Ideologie heraus wurde auch in den letzten Jahren gemordet. Ostern 2010 wurden Journalisten von Ludendorffern tätlich angegriffen weil sie auf der Straße den prominenten Altnazis Hajo Herrmann fotografi eren wollten. Der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche Hannover, Pastor Jürgen Schnare, nennt die völkischen, antisemitischen und antichristlichen Ludendorffer „eine Gefahr für die Demokratie“.
Der Protest am Karfreitag 2011 wurde durch Straßensperrung und viel Polizei eingeengt. Der Staatsschutz hatte hunderte „gewaltbereite“ Nazigegner angekündigt – was erwiesenermaßen nicht stimmte. Wir protestieren wieder gegen die Rassisten-Tagung.
Nie wieder weggucken – Rassisten nicht verharmlosen

Karfreitag 6.4.12|13.00 Uhr|Protest vorm Deutschen Haus

Pinker Panzer

In der Nacht zum Frei­tag wurde dem Pan­zer, der in Muns­ter vor dem vor allem bei Kriegs­freun­dIn­nen und Nazis be­lieb­ten Deut­schen Pan­zer­mu­se­ums steht, ein neuer ro­sa­far­be­ner An­strich ver­passt. Zudem wurde das Haupt­ge­bäu­de mit Farb­beu­teln ver­ziert [Quel­le]. Was das Mu­se­um unter einer »kri­ti­schen und mo­der­nen Aus­ein­an­der­set­zung« mit der deut­schen Mi­li­tär­ge­schich­te ver­steht, zeigt der wis­sen­schaft­li­che Lei­ter des Mu­se­um in einem Pro­mo­ti­on­vi­deo. Kri­ti­scher kann mensch nun wirk­lich nicht sein…
Das Deut­sche Pan­zer­mu­se­um Muns­ter (DPM) ist üb­ri­gens eine ge­mein­sa­me Ein­rich­tung des Aus­bil­dungs­zen­trums Muns­ter der Bun­des­wehr und der Stadt Muns­ter. Die nie­der­säch­si­sche Stadt ent­wi­ckel­te sich ab 1990 zur größ­ten Gar­ni­son der Bun­des­wehr. Unter an­de­rem sind hier große Teile der 1. Pan­zer­di­vi­si­on sta­tio­niert, deren Stab nach den ak­tu­el­len Plä­nen des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums im Jahr 2014 von Han­no­ver nach Ol­den­burg ver­legt wer­den soll.

abgeschrieben von regentied.blogsport.de

Internationales Jugendworkcamp Bergen-Belsen – Jetzt anmelden!

Wir dokumentieren:
[Internationales Jugendworkcamp] mit Jugendlichen aus 9 Ländern. Wir pflegen bauliche Reste, gestalten den Erinnerungsweg zu den ehemaligen Lagern, sprechen mit Überlebenden der Nazi-Verfolgung, mit heute von Asylpolitik Betroffenen und mit Neonazi-Gegner_innen. Wir arbeiten im Archiv, mit Werkzeug und Kamera und machen Musik. Die Umgebung von Bergen-Belsen mit dem größten, von den Nazis angelegten, Truppenübungsplatz und Nazis heute werden ebenso Thema sein wie die Geschichte von Bergen-Belsen. Du kannst in der Atmosphäre des alternativen „Bunten Hauses Celle“ mit Flüchtlingen über ihre Erfahrungen sprechen und Transparente malen.
Wenn du mindestens 15 – 26 Jahre alt bist, kannst du dich allein oder mit mehreren zum Workcamp anmelden. Das Internationale Jugendworkcamp ist ein gemeinsames Angebot christlicher und gewerkschaftlicher Jugendverbände.

Termin: 26.3. – 5. April 2012
Ort: Anne Frank Haus Oldau, Gedenkstätte Bergen Belsen, Buntes Haus Celle
Teilnahmebetrag: 90,- €
Infos und Anmeldung bei: DGB-Jugend Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt

Oops, we did it again!

Der Trauermarsch in Dresden scheint endgültig vorbei zu sein:
Nachdem die Nazis am 13.2 erneut durch tausende Antifaschist_Innen gezwungen wurden eine deutlich kürzere Route als geplant zu laufen und de facto blockiert wurden, trauten sie sich vergangenen Samstag nicht mehr nach Dresden zu ihrem Großaufmarsch.
Dennoch strömten 10.000 Antifaschist_Innen aus ganz Deutschland, Nachbarländern und Soltau nach Dresden, um diesen Erfolg zu feiern und gleichzeitig gegen „sächsische Verhältnisse“ zu demonstrieren. Im Vorfeld der Proteste kam es erneut zu großer Repression und Aushöhlung des demokratischen Rechtsstaates – so wurde beispielsweise ein Blockierer des letzten Jahres verurteilt, weil Nazis „eine schützenswerte Minderheit“ seien. Darüber hinaus wurde die Immunität einiger Land- und Bundestagsabgeordneter der Partei DIE LINKE aufgehoben. Die Intention der Staatsbehördern ist offensichtlich: Linke Gegendemonstrant_Innen sollen kriminalisiert und eingeschüchtert werden.
Doch der Plan ging nicht auf: Besagte 10.000 Antifaschist_Innen feierten ihren Erfolg der letzten drei Jahre mit einer großen Antifademo, deren Route ca. 7-8 km lang war. Die Polizeit hielt sich anfangs erfreulicherweise zurück, bis sie auf der Abschlusskundgebung, als eigentlich schon alles gelaufen war, begann, scheinbar willkürlich Demonstrant_Innen rauszuziehen. Es hat sich doch wieder gezeigt, wessen Geistes Kind die Polizei zu sein scheint.